Mittwoch, 10. Juni 2009

"Sie als Open-Source-Purist"

Mich hat jemand um die Veröffentlichung einer Story gebeten, in der es um eine Software geht, die unter der OSI-akzeptierten Microsoft-Lizenz MS-PL. Frage: „Ist das für Sie als Open-Source-Purist zu weit weg vom klassischen OS-Modell?“ Der eigenartige „Purist“ hat mich schon arg verwundert. Im Zusammenhang mit Free Software habe ich derlei schon gehört, aber bei Open Source? Oder hatte der Anfragende schon von sich aus den Eindruck, dass diese Microsoft-Lizenz wohl nicht ganz so Open Source sei? Nun bin ich allerdings der Meinung, dass erstens die Lizenzbedingungen der OSI arg leger sind und die Initiative ergo viel zu viele, nämlich rund 50 Open-Source-Lizenzen genehmigt hat. Und in der Folge blicken da nur noch auf Open Source spezialisierte Lizenzanwälte durch, und der Begriff Open Source wird verwässert.

Völlig unpassend finde ich allerdings, dass jemand, der mit Wie-auch-immer-Open-Source ein Business macht, von vornherein dem Open-Source-Paradigma der Software-Entwicklung eine Spaltung und Fraktionsbildung unterstellt. Dem Thema hat sich kürzlich Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) angenommen, der in seinem Blog vor „falschen Freunden und falschen Feinden“ gewarnt hat. Als „am weitesten verbreitete Form falscher Feinde“ bezeichnet er „Freie Software versus Open Source“. Tatsächlich hat es entlang dieser Trennungslinie schon Auseinandersetzungen gegeben, die einige auf beiden Seiten nicht gerade mit Samthandschuhen geführt haben. Und einer, der besonders wenig zimperlich war, ist der Chef der Free Software Foundation, Richard Stallman.

Es ist bemerkenswert, dass nun der Vordenker des europäischen Zweigs der FSF erklärt: „Statt sich auf vergangene Beleidigungen und Fehler zu konzentrieren, sollte meines Erachtens unser Fokus auf die Zukunft gerichtet sein. Wir sollten realisieren, dass das uns Trennende ein Abklatsch ist im Vergleich zu unseren Gemeinsamkeiten und dass Teilung und Ausschluss uns allen schaden.“ Greve geht noch einen Schritt weiter, nämlich in Richtung jener Unternehmen, die Open Source für ihr Business verwenden, ohne Code an die Community zurückzugeben. Er schlägt vor, „jeder Partei (...) die Freiheit zu gewähren, einen eigenen Weg zu wählen. Der Wert aktiver Beteiligung und Beiträge muss gelehrt werden, nicht auferzwungen.“

Hier ist der Link zur Greves Positionspapier:

http://blogs.fsfe.org/greve/?p=347

1 Kommentare:

  1. Die neue Toleranz tut sicher gut. Und ein Ende des "judäische Volksfront" vs "Volksfront von Judäa" wäre wundervoll. Wenn da die FSFE den ersten Schritt tut ist das wirklich anerkennenswert.

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