Donnerstag, 20. August 2009
Das wird teuer für Microsoft
Hintergrund des Problems: Microsoft hat einen Rechtsstreit gegen i4i verloren. Man will zwar in die Revision, aber die genannten Gründe greifen bislang (Stand 8/2009) nur die Höhe des Betrages an, den man an i4i zahlen muss. Die Rechtmäßigkeit des Anspruch selbst wird nicht bezweifelt. Das sagt dann auch schon alles.
Eine spannende Frage ist dabei, wie das eigentlich passieren konnte ? Hat ein Softwarearchitekt oder Entwickler einfach abgeschrieben ? Hat man nicht gründlich genug recherchiert ? Hat Microsoft überhaupt hinreichend Kontrolle über seine Entwicklungsprozesse, um die von ihm selbst geforderten Patente überhaupt zu handhaben ? Es verdichtet sich der Eindruck das der vom Erfolg verwöhnte Konzern marode ist. Umsätze schrumpfen dramatisch, Gewinne umso mehr, Entlassungen, Produkt Flops. Es sieht so aus als habe sich Gates rechtzeitig aus der Verantwortung verabschiedet.
Donnerstag, 16. Juli 2009
Windows abschalten. oder nicht - die zwei Gesichter im Spiegel
Wikipedia meint: Als Häresie (von griechisch αἵρεσις, haíresis „Wahl, Auswahl“) oder Heterodoxie (Andersgläubigkeit) wird eine Lehre bezeichnet, die im Widerspruch zur Lehre der christlichen Großkirche oder deiner anderen Bezugsgröße steht und beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zum Ausdruck zu bringen.
Interessant ist die Durchmischung des Werks mit Botschaften wie durch "Extreme Kommunikation" auf direktem Weg in Herz und Feder beteiligter Redakteure programmiert. Den Kommunikationshäretikern von Microsoft chancenlos ausgeliefert. Die Glücklicheren waren schon in Urlaub, als es journalistisch wurde: "Denn plötzlich kommen der Reihe nach Produkte heraus, die den fast ungeteilten Beifall der Fachwelt finden". Gemeint sind Windows 7 und Bing, ein Google Klon. Wenn der Spiegel zur Fachwelt gehört, dann sicherlich zu dem Teil, in dem der Beifall hunderprozentig ungeteilt ist und nicht nur fast.
Weiter erfahren wir im Spiegel, das Microsoft jeden Tag getestet wird und noch mehr getestet, koste es was es wolle. Und schließlich kommt auch als neutraler Experte der Microsoft Deutschland Chef zu Wort und darf ungefiltert mit der Stimme seines Herrn in die Print Ausgabe der Spiegels hineindiktieren.
Aber es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Und für die danke ich ebenfalls dem Spiegel, der in seiner Online Ausgabe elegant den Proporz wiederhergestellt hat. Wiederum mit freundlicher Unterstützung von Microsoft, das den Content lieferte. Unter dem Titel Cyper Angriffe: Microsoft warnt vor Sicherheitslücke in Office Komponenten gibt es den Rat aus Redmond, die Webkomponenten in Office Anwendungen auszuschalten. Es gibt ein drastisches Sicherheitsloch. Es gibt keinen Fix, keine Reparatur. Nur die Empfehlung auszuschalten. Wie war das noch mit den aufwändigen Tests, die der Spiegel für WIndows 7 pries ? Man findet die eigenen Fehler doch nicht.
Gut beraten sind offensichtlich 60% befragter Unternehmen, die Microsoft einsetzen, weil sie nicht auf Windows 7 gehen wollen. Weil sie kein Interesse haben Ressourcen für unnötige Risiken zu binden.
Software muss man vertrauen können. Wer will nach dem Vista Flop den Einsatz der Erstversion des angeblich von Grund auf neuem Windows 7 verantworten ? Die großen IT-Kunden wägen ihre Investitionen heutzutage besonders gut ab.
Zielt Microsoft mehr auf den Konsumentenmarkt ? Der braucht vielleicht auch keine Webunterstützung in den Office Produkten. Oder doch ? Auf alle Fälle sollten man vorsichtig sein, wenn man mit Microsoftprodukten im Internet unterwegs ist. Am besten man lässt es ganz und schaltet nach den Office Web Komponenten das ganze Windows aus. Es gibt sichere Alternativen. Für Unternehmen, Behörden und für Zuhause.
Donnerstag, 11. Juni 2009
Alle Jahre wieder im Sommer
Ziel der Allianz ist vermutlich auch, mißliebige Wettbewerber in Schach zu halten. Macht ja nichts, wenns letztendlich einer guten Sache dient, der weiteren Verbreitung von Open Source Systemen an in Unternehmen, kann es unsereins ja nur freuen.
Dabei wirbt Microsoft jetzt mit der Interoperabilität, die es sonst mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Aber eigentlich ist das kein Widerspruch, denn Interoperabilität ist für Microsoft immer dann gut, wenn sie von Microsoft bestimmt wird. Und wenn man dem Junior Partner ins Geschäft bringt, behält man die Kunden im Auge.
Vielleicht ist Microsoft einmal wirklich so schlau, eigene Linuxprodukte für die eigenen Linuxkunden anzubieten. Ein preiswertes Microsoft Office fürs Linux hätte vermutlich sogar Chancen.
Mittwoch, 10. Juni 2009
"Sie als Open-Source-Purist"
Mich hat jemand um die Veröffentlichung einer Story gebeten, in der es um eine Software geht, die unter der OSI-akzeptierten Microsoft-Lizenz MS-PL. Frage: „Ist das für Sie als Open-Source-Purist zu weit weg vom klassischen OS-Modell?“ Der eigenartige „Purist“ hat mich schon arg verwundert. Im Zusammenhang mit Free Software habe ich derlei schon gehört, aber bei Open Source? Oder hatte der Anfragende schon von sich aus den Eindruck, dass diese Microsoft-Lizenz wohl nicht ganz so Open Source sei? Nun bin ich allerdings der Meinung, dass erstens die Lizenzbedingungen der OSI arg leger sind und die Initiative ergo viel zu viele, nämlich rund 50 Open-Source-Lizenzen genehmigt hat. Und in der Folge blicken da nur noch auf Open Source spezialisierte Lizenzanwälte durch, und der Begriff Open Source wird verwässert.
Völlig unpassend finde ich allerdings, dass jemand, der mit Wie-auch-immer-Open-Source ein Business macht, von vornherein dem Open-Source-Paradigma der Software-Entwicklung eine Spaltung und Fraktionsbildung unterstellt. Dem Thema hat sich kürzlich Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) angenommen, der in seinem Blog vor „falschen Freunden und falschen Feinden“ gewarnt hat. Als „am weitesten verbreitete Form falscher Feinde“ bezeichnet er „Freie Software versus Open Source“. Tatsächlich hat es entlang dieser Trennungslinie schon Auseinandersetzungen gegeben, die einige auf beiden Seiten nicht gerade mit Samthandschuhen geführt haben. Und einer, der besonders wenig zimperlich war, ist der Chef der Free Software Foundation, Richard Stallman.
Es ist bemerkenswert, dass nun der Vordenker des europäischen Zweigs der FSF erklärt: „Statt sich auf vergangene Beleidigungen und Fehler zu konzentrieren, sollte meines Erachtens unser Fokus auf die Zukunft gerichtet sein. Wir sollten realisieren, dass das uns Trennende ein Abklatsch ist im Vergleich zu unseren Gemeinsamkeiten und dass Teilung und Ausschluss uns allen schaden.“ Greve geht noch einen Schritt weiter, nämlich in Richtung jener Unternehmen, die Open Source für ihr Business verwenden, ohne Code an die Community zurückzugeben. Er schlägt vor, „jeder Partei (...) die Freiheit zu gewähren, einen eigenen Weg zu wählen. Der Wert aktiver Beteiligung und Beiträge muss gelehrt werden, nicht auferzwungen.“
Hier ist der Link zur Greves Positionspapier:
Montag, 1. Juni 2009
Was bedeutet der UK/Microsoft Vertrag ?
Hintergrund: Durch den Vertrag können unter anderem zum ersten Mal Microsoft Lizenzen zwischen Behörden getauscht werden. So sollen weniger Lizenzen erforderlich sein. Ob das so funktioniert muss sich zeigen.
Alle Beschaffungen im UK Public Sektor werden über Buying Solutions abgewickelt: "Buying Solutions is an Executive Agency of the Office of Government Commerce in the Treasury. We are the national procurement partner for UK public services."[2]
Jetzt rätseln die Weisen ob der Vertrag Open Source schadet oder nicht. Update folgt.
[1] http://www.microsoft.com/uk/publicsector/government/licensing/psa09-press-release.aspx
[2] http://online.ogcbuyingsolutions.gov.uk/aboutus/
Freitag, 29. Mai 2009
Nach der Schweiz ist Spanien dran
Netbooks mit Vista und DRMten Inhalten sind nun nicht grade das was man in Schulen brauchen würde. Insbesonders Spanien, mit seinen grossen Open Source Projekten wie zum Beispiel in der Estremadura soll da von Microsoft zurückgewonnen werden, das ist dann schon einen Gates Besuch wert.
Merkel, bitte hilf Microsoft !
Also nichts wie hin zu Merkel, vielleicht lässt sich ja die deutsche Version von Windows XP aus Microsoft herauslösen. Wir entwickeln ja gerade einiges an Erfahrung in der Rettung amerikanischer Konzernleichenteile.
Aber im Ernst: das Problem liegt im System, und da ist Open Source Business überlegen. Ein verteiltes System ist einfach robuster als ein Monolith. Mittelstand ist ein gute Sache. Unternehmer sind verantwortungsbewußter als Manager.