Donnerstag, 11. Juni 2009

Alle Jahre wieder im Sommer

Wie schön es ist wenn Microsoft Linuxlizenzen verkauft, und stolz meldet wieder 100 Kunden gefunden zu haben, die SLES dem hauseigenen Produkt gegenüber den Vorzug geben. Insgesamt für 300 Millionen Dollar hat man schon an Novell überwiesen, das dadurch hinreichend abhängig von Microsoft ist.
Ziel der Allianz ist vermutlich auch, mißliebige Wettbewerber in Schach zu halten. Macht ja nichts, wenns letztendlich einer guten Sache dient, der weiteren Verbreitung von Open Source Systemen an in Unternehmen, kann es unsereins ja nur freuen.

Dabei wirbt Microsoft jetzt mit der Interoperabilität, die es sonst mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Aber eigentlich ist das kein Widerspruch, denn Interoperabilität ist für Microsoft immer dann gut, wenn sie von Microsoft bestimmt wird. Und wenn man dem Junior Partner ins Geschäft bringt, behält man die Kunden im Auge.

Vielleicht ist Microsoft einmal wirklich so schlau, eigene Linuxprodukte für die eigenen Linuxkunden anzubieten. Ein preiswertes Microsoft Office fürs Linux hätte vermutlich sogar Chancen.

Mittwoch, 10. Juni 2009

"Sie als Open-Source-Purist"

Mich hat jemand um die Veröffentlichung einer Story gebeten, in der es um eine Software geht, die unter der OSI-akzeptierten Microsoft-Lizenz MS-PL. Frage: „Ist das für Sie als Open-Source-Purist zu weit weg vom klassischen OS-Modell?“ Der eigenartige „Purist“ hat mich schon arg verwundert. Im Zusammenhang mit Free Software habe ich derlei schon gehört, aber bei Open Source? Oder hatte der Anfragende schon von sich aus den Eindruck, dass diese Microsoft-Lizenz wohl nicht ganz so Open Source sei? Nun bin ich allerdings der Meinung, dass erstens die Lizenzbedingungen der OSI arg leger sind und die Initiative ergo viel zu viele, nämlich rund 50 Open-Source-Lizenzen genehmigt hat. Und in der Folge blicken da nur noch auf Open Source spezialisierte Lizenzanwälte durch, und der Begriff Open Source wird verwässert.

Völlig unpassend finde ich allerdings, dass jemand, der mit Wie-auch-immer-Open-Source ein Business macht, von vornherein dem Open-Source-Paradigma der Software-Entwicklung eine Spaltung und Fraktionsbildung unterstellt. Dem Thema hat sich kürzlich Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) angenommen, der in seinem Blog vor „falschen Freunden und falschen Feinden“ gewarnt hat. Als „am weitesten verbreitete Form falscher Feinde“ bezeichnet er „Freie Software versus Open Source“. Tatsächlich hat es entlang dieser Trennungslinie schon Auseinandersetzungen gegeben, die einige auf beiden Seiten nicht gerade mit Samthandschuhen geführt haben. Und einer, der besonders wenig zimperlich war, ist der Chef der Free Software Foundation, Richard Stallman.

Es ist bemerkenswert, dass nun der Vordenker des europäischen Zweigs der FSF erklärt: „Statt sich auf vergangene Beleidigungen und Fehler zu konzentrieren, sollte meines Erachtens unser Fokus auf die Zukunft gerichtet sein. Wir sollten realisieren, dass das uns Trennende ein Abklatsch ist im Vergleich zu unseren Gemeinsamkeiten und dass Teilung und Ausschluss uns allen schaden.“ Greve geht noch einen Schritt weiter, nämlich in Richtung jener Unternehmen, die Open Source für ihr Business verwenden, ohne Code an die Community zurückzugeben. Er schlägt vor, „jeder Partei (...) die Freiheit zu gewähren, einen eigenen Weg zu wählen. Der Wert aktiver Beteiligung und Beiträge muss gelehrt werden, nicht auferzwungen.“

Hier ist der Link zur Greves Positionspapier:

http://blogs.fsfe.org/greve/?p=347

Montag, 1. Juni 2009

Was bedeutet der UK/Microsoft Vertrag ?

Ich erschliesse mir grad, was der Vertrag zwischen der UK Beschaffungsbehörde Buying Solutions und Microsoft bedeutet. Dabei fällt mir etwas Lustiges auf: Microsoft zitiert in seinem eigenen Press Release dazu ausgerechnet Aussagen von Angela Eagle (Exchequer Secretary to the Treasury) zum Open Source Aspekt des Vertrages: “It also reinforces the Government’s commitment to its Open Source Action Plan by setting up a facility to reuse and share licences across the public sector.”[1] Das ist also Open Source.

Hintergrund: Durch den Vertrag können unter anderem zum ersten Mal Microsoft Lizenzen zwischen Behörden getauscht werden. So sollen weniger Lizenzen erforderlich sein. Ob das so funktioniert muss sich zeigen.

Alle Beschaffungen im UK Public Sektor werden über Buying Solutions abgewickelt: "Buying Solutions is an Executive Agency of the Office of Government Commerce in the Treasury. We are the national procurement partner for UK public services."[2]

Jetzt rätseln die Weisen ob der Vertrag Open Source schadet oder nicht. Update folgt.

[1] http://www.microsoft.com/uk/publicsector/government/licensing/psa09-press-release.aspx
[2] http://online.ogcbuyingsolutions.gov.uk/aboutus/