Donnerstag, 16. Juli 2009

Windows abschalten. oder nicht - die zwei Gesichter im Spiegel

Wenn die Sommerzeit da ist, und die Meldungslage immer dünner wird ist in Magazinen immer mal Platz für einen schönen Artikel, der auch mal ganz unkritisch mit einem großen Unternehmen umgeht. Der Spiegel Nr 28 vom 6.7.09 enthält ein ganz wunderbares Beispiel. Ob man von einem Artikel oder einer Lobeshymne sprechen kann, muss jeder selbst bewerten. ich tendiere zum Epos mit Anleihen aus Gamer-Welt: "Die Firma entsann sich eines radikalen Kults, der um die Jahrtausendwende in Programmierzirkeln aufgetaucht war:" Mit der Firma ist Microsoft gemeint. Der Kult ist "Extreme Programming". Im Spiegel wird daraus, in dem Artikel der wirklich Windows aus der Asche heisst: "Die Extremprogrammierer, wie sie sich nannten, zeigten die typische Strenge von Häretikern."

Wikipedia meint: Als Häresie (von griechisch αἵρεσις, haíresis „Wahl, Auswahl“) oder Heterodoxie (Andersgläubigkeit) wird eine Lehre bezeichnet, die im Widerspruch zur Lehre der christlichen Großkirche oder deiner anderen Bezugsgröße steht und beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zum Ausdruck zu bringen.

Der Spiegel weiss noch mehr: "Täglich unterwarfen sie ihre Programme rituellen Testverfahren". Rituelle Testverfahren ? Sehr merkwürdig.
Interessant ist die Durchmischung des Werks mit Botschaften wie durch "Extreme Kommunikation" auf direktem Weg in Herz und Feder beteiligter Redakteure programmiert. Den Kommunikationshäretikern von Microsoft chancenlos ausgeliefert. Die Glücklicheren waren schon in Urlaub, als es journalistisch wurde: "Denn plötzlich kommen der Reihe nach Produkte heraus, die den fast ungeteilten Beifall der Fachwelt finden". Gemeint sind Windows 7 und Bing, ein Google Klon. Wenn der Spiegel zur Fachwelt gehört, dann sicherlich zu dem Teil, in dem der Beifall hunderprozentig ungeteilt ist und nicht nur fast.
Weiter erfahren wir im Spiegel, das Microsoft jeden Tag getestet wird und noch mehr getestet, koste es was es wolle. Und schließlich kommt auch als neutraler Experte der Microsoft Deutschland Chef zu Wort und darf ungefiltert mit der Stimme seines Herrn in die Print Ausgabe der Spiegels hineindiktieren.

Aber es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Und für die danke ich ebenfalls dem Spiegel, der in seiner Online Ausgabe elegant den Proporz wiederhergestellt hat. Wiederum mit freundlicher Unterstützung von Microsoft, das den Content lieferte. Unter dem Titel Cyper Angriffe: Microsoft warnt vor Sicherheitslücke in Office Komponenten gibt es den Rat aus Redmond, die Webkomponenten in Office Anwendungen auszuschalten. Es gibt ein drastisches Sicherheitsloch. Es gibt keinen Fix, keine Reparatur. Nur die Empfehlung auszuschalten. Wie war das noch mit den aufwändigen Tests, die der Spiegel für WIndows 7 pries ? Man findet die eigenen Fehler doch nicht.
Gut beraten sind offensichtlich 60% befragter Unternehmen, die Microsoft einsetzen, weil sie nicht auf Windows 7 gehen wollen. Weil sie kein Interesse haben Ressourcen für unnötige Risiken zu binden.
Software muss man vertrauen können. Wer will nach dem Vista Flop den Einsatz der Erstversion des angeblich von Grund auf neuem Windows 7 verantworten ? Die großen IT-Kunden wägen ihre Investitionen heutzutage besonders gut ab.

Zielt Microsoft mehr auf den Konsumentenmarkt ? Der braucht vielleicht auch keine Webunterstützung in den Office Produkten. Oder doch ? Auf alle Fälle sollten man vorsichtig sein, wenn man mit Microsoftprodukten im Internet unterwegs ist. Am besten man lässt es ganz und schaltet nach den Office Web Komponenten das ganze Windows aus. Es gibt sichere Alternativen. Für Unternehmen, Behörden und für Zuhause.

1 Kommentar:

  1. Die Londioner Börse hat Windows abgeschaltet... Ludger Schmitz schreibt was interessantes dazu auf http://www.linux-verband.de/Home-News-Single-Ansicht.305+M5a33ae287b4.0.html?&tx_ttnews[backPid]=19&tx_ttnews[tt_news]=459

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